The völkisch-religiöse Bewegung in the long fin de siècle and National Socialism

In der organisatorisch und ideologisch vielgestaltigen völkischen Bewegung entwickelte sich unmittelbar mit deren Formatierung um 1900 eine völkischreligiöse Teilbewegung. Sie ist Teil jenes von den Zeitgenossen argwöhnisch registrierten religiösen Pluralismus in der langen Jahrhundertwende, des Hal...

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Main Author: Puschner, Uwe 1954-
Format: Electronic Article
Language:German
Check availability: HBZ Gateway
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Published: [2017]
In:Kirchliche Zeitgeschichte
Year: 2017, Volume: 30, Issue: 1, Pages: 162-174
Standardized Subjects / Keyword chains:B Germany / National Socialism / Neopaganism / Deutsche Christen / Deutschreligiöse Bewegung / History 1900-1945
Online Access: Volltext
doi
Description
Summary:In der organisatorisch und ideologisch vielgestaltigen völkischen Bewegung entwickelte sich unmittelbar mit deren Formatierung um 1900 eine völkischreligiöse Teilbewegung. Sie ist Teil jenes von den Zeitgenossen argwöhnisch registrierten religiösen Pluralismus in der langen Jahrhundertwende, des Halbjahrhunderts von den letzten beiden Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bis zu den 1930er Jahren. Innerhalb der völkischreligiösen Teilbewegung bestanden mit Deutschchristentum und germanischem Neuheidentum zwei Flügel. Ihr gemeinsames Fundament war die für das völkische Denken grundlegende völkische Rassenideologie und mit ihr der Antisemitismus. Beide Richtungen konstruierten auf diesen Grundlagen eine sogenannte arteigene Religion, eine Rassereligion. Deutschchristen verfochten ein von seinen jüdischen Fundamenten gelöstes und arisiertes Christentum; Neuheiden konstruierten eine Religion, die vorgab, die vorchristlichen Glaubensvorstellungen der angeblichen germanischen Ahnen zu erneuern. Während sich das Deutschchristentum in Gestalt der Glaubensbewegung Deutsche Christen mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten zu etablieren vermochte, gelang dies dem Neuheidentum nicht. Die Hoffnungen der neuheidnischen Gruppen auf Anerkennung als ›dritte Konfession‹ blieben ihnen versagt. Die Völkisch-religiösen ließen sich zwar als Schrittmacher in der Konsolidierungsphase der nationalsozialistischen Herrschaft benutzen, nicht zuletzt als Disziplinierungsinstanz gegen die Kirchen und zur Vereinnahmung der Christen im Zuge der Kriegsvorbereitungen. Gleichzeitig aber auch und vor allem waren sie ein ernst genommener Störfaktor für das totalitäre Herrschaftssystem und wurden dementsprechend ab Mitte der 1930er Jahre marginalisiert; insbesondere die Neuheiden verschwanden aus der Öffentlichkeit.
ISSN:2196-808X
DOI:10.13109/kize.2017.30.1.162
Persistent identifiers:DOI "10.13109/kize.2017.30.1.162"