Bultmann, Rudolf

Rudolf (20.8.1884 Wiefelstede, Oldenburg – 30.7.1976 Marburg). I. B. promovierte 1910 mit einer Studie zur Rhetorik des Paulus (»Der Stil der pln. Predigt und die kynisch-stoische Diatribe«; Nachdr. 1984) und habilitierte sich 1912 mit einer Untersuchung über »Die Exegese des Theodor von Mopsuestia«...

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Bibliographic Details
Main Author: Lindemann, Andreas 1943- (Author)
Format: Electronic Dictionary entry/article
Language:German
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Published: 2015
In: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Year: 2015
Online Access: Volltext (lizenzpflichtig)
Volltext (lizenzpflichtig)
Description
Summary:Rudolf (20.8.1884 Wiefelstede, Oldenburg – 30.7.1976 Marburg). I. B. promovierte 1910 mit einer Studie zur Rhetorik des Paulus (»Der Stil der pln. Predigt und die kynisch-stoische Diatribe«; Nachdr. 1984) und habilitierte sich 1912 mit einer Untersuchung über »Die Exegese des Theodor von Mopsuestia« (erstmals publiziert 1984). 1916 a.o. Prof. für NT in Breslau, 1920 o. Prof. in Gießen, seit 1921 in Marburg. 1921 erschien sein Hauptwerk zur Formgesch. (»Die Gesch. der synopt. Tradition«; 1931 stark erweitert, seitdem oft nachgedruckt), in dem B. die Formen und Gattungen der Stoffe der synopt. Überlieferung analysiert und den Weg von den Anfängen der mündlichen Tradition bis zu deren Einbettung in die Evangelien nachzeichnet, wobei er mit einem hohen Anteil an »Gemeindebildung« rechnet: In seinem Buch »Jesus« (1926, oft nachgedruckt), in dem er nach der Lehre des irdischen Jesus fragt, formulierte B. wesentliche Aussagen zum theol. Sinn hist. Arbeit. Nach religionsgesch. und exegetischen Vorarbeiten (z.T. abgedruckt im Aufsatzband »Exegetica«, 1967) erschien 1941 B.s Kommentar zum Joh (vgl. den Art. Johannesevangelium, RGG3). B.s These, Joh verarbeite mehrere Quellen, sei durch einen »Kirchl. Redaktor« sekundär verändert (futurische Eschatologie, Sakramentalismus) und dabei falsch geordnet worden, hat sich überwiegend nicht durchgesetzt; der hermeneutische Ansatz der existentialen Interpretation ist jedoch glänzend durchgeführt und sichert dem Kommentar bleibenden Rang. B.s wichtigstes Werk ist seine »Theol. des NT« (1953; mit umfangreichen Lit.ergänzungen 1984, hg. von O.Merk). Es geht darum, »das aus dem Glauben erwachsende Verständnis von Gott und damit von Welt und Mensch zu entwickeln« (585); dabei könne die Theol. das Kerygma »nie in definitiver Gestalt erfassen, sondern immer nur als begrifflich gefaßtes und d.h. als ein schon theol. ausgelegtes« (588). Die Botschaft Jesu ist nach B. nicht als Teil ntl. Theol. zu verstehen, sondern sie gehört zu deren Voraussetzungen. »Theologie« im strengen Sinne findet B. nur bei Paulus und Johannes; zwar denke auch Paulus nicht systematisch, doch lasse vor allem der Röm erkennen, daß »sein Denken und Reden aus seiner theol. Grundposition herauswächst« (191). Die pln. Theol. sei als Anthropologie entwickelt, weshalb sie von der anthropologischen Begrifflichkeit her zu entfalten sei (vgl. Art. Paulus, RGG2). Der u.a. durch E.Käsemann aufgeworfenen »neuen Frage« nach dem hist. Jesus stand B. krit. gegenüber; »das Verhältnis der urchristl. Christusbotschaft zum hist. Jesus« (so der Titel einer Studie 1960) sei derart zu bestimmen, daß zwar eine hist. Kontinuität besteht, das Auferstehungskerygma aber nicht durch den Rückgriff auf den hist. Jesus legitimiert werden kann.
ISSN:2405-8262
Contains:Enthalten in: Religion in Geschichte und Gegenwart online
Persistent identifiers:DOI: 10.1163/2405-8262_rgg4_COM_02520